Röltgen

Der Röltgenhof – Eine Wurzel der Rumelner Dorfgeschichte.

In meiner Materialsammlung „rumeln-kaldenhausen.de“ habe ich einen kleinen Schatz: Die Familenchronik „Röltgen“/“Hülsen“.
Sie wurde geschrieben von zwei Mitgliedern der Familie und ist bisher nicht veröffentlicht.

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So hat der Röltgenhof (zuletzt Hülsenhof) einmal ausgesehen

Geschichte der Familien Röltgen & Hülsen in Rumeln

Gerhard und Enneken Kuckes aus Rumeln gehörten die Höfe Kuckes und Röltgens, letzteren hatten diese von einer früheren Familie auf Röltgenshof gekauft. Diese Eheleute hatten unter anderen Kindern eine Tochter genannt Magdalena. Diese wurde mit Heinrich Bovenschen aus Friemersheim Anno 1693 verheiratet und wurden auf den Röltgenhof gesetzt und mussten davon Sechzehn Hundert Dahler clevisch oder 613 Thl.10 Spr. Preussisch courant.

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Thaler clevisch

Diese Eheleute hatten drei Töchter, wovon eine zu Friemersheim an Nühlen, eine an Kuckes in Rumeln, eine Catarina genannt blieb auf Röltgenhof und verheiratete sich mit Hendrich Dirks modo Schmitz in Rumeln. In dieser Ehe wurde ein Sohn gezeugt, genannt Jacob, Vorgenannte Catarina starb aber bald, worauf sich Hendrich wieder mit Agnes Schwirtz aus Rumeln verheiratete. Hendrich war ein schlechter Ackersmann; seine Vorfahren waren alle Schmiede gewesen und hatten sich mit dem Ackerbau nicht viel abgegeben, deswegen hatte er nicht viel Lieben hierzu, und immer mehr ging es mit ihm rückwärts. Nach seinem Ableben, welches auch mit seiner Frau bald erfolgte (N.B.: aus dieser letzten Ehe blieben 3 Töchter am Leben) mussten die Vormünder um die Schulden zu tilgen ungefähr 20 Morgen Land verkaufen.

Der obengedachte Sohn Jacob aus erster Ehe starb auch unverheiratet; nun fiel der Hof an die drei Töchter aus zweiter Ehe.

Die älteste hieß Catarina, die zweite Elsken, die dritte Enneken. Elsken verheiratete sich mit Diedrich Röltgens aus Blersheim Enneken mit Gerhard Horsters, Catarina mit Hendrich Hosters.

Catarina wurde der Hof vor deux Mille it quatreumn Seu, vermacht; Ihr Ehemann hatte kein sonderlich Vermögen, war aber ein sehr fleißiger Mann, ohne dass er ein hitziges Temperament hatte, war er sehr leutselig und gefällig. Er zeugte mit seiner Ehefrau Catarina eine Tocher genannt Agnes, welche 1781 gebohren. Einige Jahre hernach starb Catarina zum großen Leidwesen ihres Ehegatten. Da die Tochter Agnes noch ganz jung war, so verheirathete er sich einige Jahre nachher wieder mit Eva Gehnen aus Rumeln. Nachdem die Tochter Agnes großjährig war verheirathete sie sich im Jahr 1801 den 14 Februar als Hochzeitstag mit Jacob Hosters aus Rumeln (geboren 1772 den 24. September) und wurden den 1 März von Hendrich Faber Prediger in Friemersheim getraut.

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Im Jahr 1802 den 4 Jannar Abends zwischen 5 und 6 Uhr wurde ihnen ein Töchterlein geboren genannt Catarina, welches kaum 1 Jahr alt wieder starb; es bekam den Durchfall wobei es sich beständig brechen musste.

Am 29 Januar 1803 wurde ihnen wieder ein Töchterlein geboren genannt Elsken. Dies Mädchen war bis im 8ten Jahr vollkommen gesund; ungefähr um 1811 bekam sie Soropfeln???, anfang bekam es an der rechten Seite des Halses eine Geschwulst von der Größe eines Taubeneis, so blieb es wohl 3 Jahre, alle angewandte ärztliche Mittel blieben erfolglos. Während dieser Zeit bekam sie einen bösen Finger, der erst nach langer Zeit heilte, und wenn ihr etwas aufbrach, so wurde es gewaltig schlimm, woraus man sah, dass die Säfte ihres Körpers nicht die besten waren, obwohl ihr äußeres Aussehen gesund schien.

Ums Jahr 1812 vergrößerte sich die Geschwulst zur Größe eines Hühnereis; es stellten sich schleichende Fieber ein, die ihre Gesundheit immer mehr untergruben. Im Jahr 1814 schlug es sich auf die Augen, welche da die ungesunden Säfte nirgends einen Ausgang hatten, so dass sie mit dem linken Auge fast nichts mehr sehen konnte; auch das rechte Auge hatte viel gelitten. Da alle Mittel nichts halfen, so zog im Juni 1819 ihr Vater einen seidenen gezwirnten Faden im Nacken durch die Haut worauf sich die Schärfe von den Augen abzog. Um diese Zeit setzte sich der ganze Hals voll Knobeln; wir hofften immer, dass sich ihre Monatsstunden einstellen möchten und dadurch eine Besserung herbeigeführt werde. Im Monat Dezember stellte sich diese ein; jedoch nur ein einziges mal, ihr Befinden war ziemlich gut. Im Monat März 1820 entzündete sich der alte und erste Geschwulst und ging durch; beständig floß Materie aus denselben; zusehends nahm sie ab und wurde täglich schwächer; fortwährend musste sie husten und auswerfen; bis sie endlich am 5. Juli 1820 Morgens um 9 Uhr sanft und seelig entschlief.

Schon früh zeigte sich an diesem Mädchen die Kräfte des Geistes entwickelt. In ihrem 5 und 6ten Jahre führte sie schon Aufträge pünktlich und richtig aus. Sie war besonders Freundlich, gelassen, gutmüthig und vor allem sehr from. Man hörte nie ein unbescheiden Wort aus ihrem Munde; sie bestrafte an anderen Kindern böse Gewohnheiten, in Freude war sie nie ausgelassen, in Traurigkeit wusste sie sich zu fassen; kurz alle Tugenden eines wahren Christen vereinigten sich in ihr; alle die sie kannten liebten sie. In ihren letzten Krankentagen betete sie oft mit Inbrunst zu ihrem Heillande, man hörte keine einzige Klage aus ihrem Mund. Wenn man sie fragte, wie es ihr wäre, sagte sie immer, es geht noch so ziemlich.
Am 1. Juli ging ich für sie nach Duisburg zu Professor (O)Gastanien, welcher ihr noch China-Rinde verordnete; aber schon am 2ten Juli (Sonntag) wurde sie merklich schlimmer, am 3ten stand sie fast nicht mehr auf, sie genoß fast keine Ruhe mehr, ein ununterbrochener Husten quälte sie und ein zäher Schleim, den sie nicht konnte herausbringen, plagte sie sehr. Die Nacht vom 4ten auf den 5ten Juli war sie sehr unruhig, sie schwitzte beständig einen kalten Schweiß, alle Glieder waren ihr kalt, man musste sie mehrmals aus dem Bette nehmen und wieder niederlegen. Um 7 Uhr Morgens den 5. Juli fragte sie ihre Mutter, wo ist mein Vater? Laß ihn nicht weggehen, ich sterbe nun, jetzt sagte sie zu ihrer Mutter, nehmt mich noch einmal auf euren Schooß, wie die Mutter dieses gethan, sprach sie, Vater betet noch einmal, wie ich einige Seufzer gebetet hatte, sagte sie, legt mich geschwind wieder nieder, nun schlug sie ihre Hände zusammen, und sprach, Gott vergib mir alle meine Sünden, und einige Verse aus dem Liede, Alle Menschen müssen sterbe usw.; und die drei ersten Versen aus dem güldenen a,b,c. Hierauf wurde ihre Zunge steif, und das Bewusstsein schien zu schwinden, ich fragte sie noch, ob sie den Herrn Jesu noch lieb habe, noch einmal schlug sie ihr Auge auf und sprach mit lauter Stimme, Ja! Nun und ruhig vor unserer und unserer beiden Kinder Augen in jenes bessere Leben hinüber. Gott verleihe uns eine seelige Nachfolge! Am 8ten Juli (Samstag) wurde sie begraben, wo der Prediger Heinrich Faber die Leichenrede hielt. Am Grabe war seine erste Anrede, der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Der Text war 1 Thessalonischer 4 vers. 17 und 18. und werden bei dem Herrn sein allezeit, so tröstet Euch nun mit diesen Worten untereinander.

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Anno 1805 den 19. Mai, Nachmittags, wurde den beiden Eheleuten noch eine Tochter geboren, genannt Catarina. 1824 verehelicht an Johann Heinrich Tollmann in Friemersheim.

Anno 1808 den 12ten October morgens früh wurde ihnen noch ein Söhnlein geboren, genannt Johann Heinrich.

Obengenannte Catarina verehelichte Tollmanns war von feinem Körperbau aber doch leidlich gesund, sie zeugte zwei Kinder Mechthild uund Agnes. Diese Tochter Catarina hatte schwache und ein sehr reizbares Nervensystem.
Nun hatte sie im Jahr 1829 das Unglück sich mit einem Topf Reis sehr zu verbrennen; wobei sie durch Schrecken und Verkältung, indem mit geschrepten Erdäpfel bei zwei Stunden immer kalte Umschläge machten, welches den Brand zwar glücklich herauszog und gut geheilt wurde; aber schon nach einem halben Jahr klagte sie über Schmerzen im rechten Schenkel, welches sich zuletzt über den ganzen Körper verteilte, dass sie nur mit Mühe sich fortbewegen konnte. Alle ärztliche Hülfe wollte nicht helfen. Um Ostern 1833 bekam sie einen plötzlichen Überfall als eine Art von Schlag, erholte sich aber in so weit, dass sie wieder etwas am gehen kam, war auch im Februar dieses Jahres noch einmal bei uns in Rumeln und noch einmal und das letzte Mal die Woche vor Pfingsten bei Gelegenheit dass der Prediger Faber Hausbesuchung hielt, und bei uns zu Mittag speiste. Nach Pfingsten wurde das alte Übel wieder immer schlimmer, sie bekam starke Kräpfe und Zuckungen und unsäglich Schmerzen in den Füßen, aus diesen zog es sich in den obern Teil des Körpers, die Hände zogen sich krum zusamen, zuletzt in den Kopf wodurch sie Anfangs Juli ganz verwirrt am Verstande wurde. In der Mitte Juli bekam sie einige Tage die Besinnung wieder, hatte aber in den 10 Wochen so viel gelitten, dass alle Kräfte verloren waren, und ganz einem Soelst??? Ähnlich war, wo sie dann am 20ten Juli 1833, Abends 9 Uhr sanft und seelig sich dem Herrn ergeben entschlief.
Sie war von Natur von sanftem Charakter mild und gütig, von jedem geachtet und geliebt. Von Schmerzen überwältigt bei der Trennung aus diesem irdischen Leben, doch nur der Trost für uns richtete uns auf, die Hoffnung eines frohen Wiedersehens.

Am 24 Juli war Begräbnistag. Der Prediger Faber schilderte am Grabe ihre schweren Leiden sehr rührend, lobte ihr sich in Gottergebenes Gemüth und Seelenfrieden, und dass sie auf den Versöhnungstod Jesu gewiss die ewige Seeligkeit erlangt habe. Der Prediger und der Schullehrer von Eiser holten die Leiche am Sterbehause mit zehn der ersten Schulkinder ab, welche bei der vorder Thür an Tollmanns Hause hingestellten Leiche einige sehr rührende Verse absangen, darauf von 6 Personen unter Singen des 337 Liedes zur ihrer Ruhestätte getragen (sie ruht auf dem alten Kirchhof, grade in der Ecke zwischen der Kirchenhofmauer und Balters-Haus). Der Text war Römer 8, der letzte Theil des 17ten und 18ten Verses. So wir ander mitleiden usw.

Diese vorstehende Familien-Geschichte ist von meinem Vater Jacob Röltgens, (Hasters) notiert, und von mir, Heinrich Röltgen, in dieser Familien-Chronik eingetragen und fortgesetzt worden.

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Mechtilde Tollmann geboren im Jahr 1825, wurde im Hause der Großeltern erzogen, sie war ein braves, sittsames Mädchen und der Liebling der Großmutter. Im Jahr 1850 verehelichte sie sich mit dem Ackerer Gerhard Jans zu Östrum. Agnes Tollmann geboren 1827 kam im Alter von 17 Jahre ins Großelterlich Haus zurück, und blieb alda bis zu ihrer Verheirathung im Jahr 1854 mit Jakob Schmidt, Kaufmann und Buchhalter in dem Bankhause von Beckerath-Heilmann zu Crefeld. Sie war ein stilles ernstes Mädchen, und neigte mehr zu einem ruhigen, stillen Leben, als zu dem geräuschvollen thätigen einer landwirtschaftlichen Haushaltung
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Jacob Röltgen (Hasters) wie früher erwähnt, war am 24. September 1772 geboren und trat 1802 die Meisterschaft des Röltgenshof an.
Er war ein Mann von mittlerer Statur und schlanken Körperbaus. Obgleich er von großer Energie und hitzingen Temperaments war, so war er doch sehr leutselig und ein Feind allen Unrechts. Er hatte in seiner Jugend nur die Elementar-Landschule besucht, war aber nichts detoweniger ein tiefer Denker und scharfer Beobachter geworden. In den Gebieten der Geschichte, der Naturwissenschaft und der Astronomie war er sehr bewandert, und seine Lieblingsbeschäfftigung war deshalb das Lesen interessanter Werke; jedoch versäumte er hierdurch sein Ackergeschäft nicht, bis in den letzten Jahren seines Lebens war er sehr täthig und legte Hand mit ans Werk.

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Er neigte sehr zur Sparsamkeit, und diese und der Segen, der seinen Fleiß krönte, vergrößerte sein Vermögen sehr.Von geräuschvollen Gesellschaften hielt er nichts; er lebte sehr mässig und seine Gesundheit in Acht nehmend.
Große Anstrengungen konnte ernicht ertragen und jede Erkältung zoh Heiserkeit herbei. In den drei letzten Jahren seines Lebens stellte sich jeden Winter Heiserkeit ein; dieser verlor sich im Sommer wiederum ziemlich. Im Dezember 1836 wurde er sehr Heiser, hatte starken Husten dabei wodurch das innere des Halses wund und sehr schmerzhaft wurde. Zu diesem Zustande gesellte sich die Grippe von welcher in der ganzen Gegend fast keiner befreit blieb, aber alle die alt und schwach waren starben fast sämtlich an derselben. Die Grippe ging ohne Gefahr für ihn vorüber, aber das Hals-Übel hatte sich sehr verschlimmert. Er sprach es jetzt unverholen aus, dass sein Übel unheilbar sei und er nicht lange mehr leben werde. (Er liess daher im Februar 1837 den Notar Gerpotta??? von Crefeld kommen und übertrug seinem Sohn Heinrich den Röltgenhof für die Summe von 3078 Thl. Preussisch courant, welcher letzterer an seiner Schwester Kinder Mechtilde und Agnes auszuzahlen habe. Die ausstehenden Kapitalien aber erst nach dem Tode beider Eltern resp. Großeltern zwischen Heinrich und den beiden vorerwähnten Kindern in zwei gleichen Theilen getheilt werden).
Er hielt sein Übel für ein in seiner Familie übliches; er erzählte oft, das sehr viele seiner Vorfahren an ähnlichen Halskrankheiten gestorben sein; auch bei ihm entwickelte sich aus diesem Halsleiden (trotz aller angewandten ärztlichen Mittel) die sogenannte Kehlkopfschwindsucht. Beim fortschreiten dieser Krankheit musste er unsägliche Schmerzen an derselben erleiden. Er hatte noch wohl Appetit zum Essen und Trinken; allein wenn er as oder trank, so drang dieses in die Luftröhre hinein, und verursachte den heftigsten Husten, Würgen und erbrechen. Allein nie hörte man ihm klagen, mit der größten Seelenruhe wusste er sich in diesem schweren Leiden zu fassen und legte alles, alles in Gottes Hand. Am 14 April, Nachmittags saß er noch hinter dem Ofen in der Kammer und war noch so kräftig, dass er ohne Hülfe nachher bis ans Bett ging uns sich in dasselbe legte. Gegen 7 Uhr Abends besuchte ihn der Prediger Hendrich Faber; die Unterhaltung zwischen den beiden berührte verschiedene Gegenstände, der Prediger Faber, welcher beabsichtigte seine Stelle als Prediger wegen Altersschwäche niederzulegen, Sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, dass Gott ihn so lange Leben und Gesundheit erhalten möge, um bei der Wahl eines neuen Pastors seinen Rath ertheilen zu können. Für diesen Wunsch und Hoffnung dankte er sehr, sprach sich aber dahin aus, dass seine Lebenszeit nur noch einige Tage wahrscheinlich wären würden. Als der Pfarrer sich entfernte, sagte er zu seinem Sohne, dieser Besuch hat mich sehr angegriffen, öffne ein wenig das Oberlicht, laß mich eine Stunde allein bis dahin werden sich meine Kräfte wieder etwas gesammelt haben. Kaum hatte ich mich eine Viertelstunde aus den Zimmer entfernt, als er zu klopfen anfing; ich eilte zu ihm, dann sagte er, Lieber Heinrich, jetzt heißt es, wie in der Bibel steht, Gehe ein zu Deinen Vätern; er setzte sich gerade auf im Bette und sprach: Ich bin jetzt noch bei voller Besinnung, rufe deshalb deine Mutter und Mechtilde, dass ich von Euch Aschied nehme. Diese Handlung war für uns sehr rührend und ergreifend, und als er besonders gegen mich seine Segenswünsche ausgesprochen und ermahnet und geben, doch ja stets den Pfad der Tugent zu wandeln, sagte er, Nun mein lieber Sohn, lege mich sanft nieder und so will ich denn sterben. Als er nun anscheinend ruhig zu schlummern schien, fing Mechthilde ein Gebet laut zu lesen an;er schlug die Augen auf und sagte, liebe Mechel es ist gut so, sei nur stille, es stört mich zu sehr in meine eigene Betrachtungen, er bat Mechel und die Großmutter, dass beide nur nach der Wohnstube gehen mögten, sein lieber Sohn solle und mögte nur bei ihm bleiben. Als ich am Bette an seiner Seite sass, wurde die Beklemmung der Brust immer größer, der Schweiß floß von der Stirne; er löste noch selber sein Halstuch ab, und legte dieses und seine Kappe auf`s Bett neben sich. Er fühkte und beobachtete seinen Puls und sagte, es kann noch wohl eine Stunde dauern, dann hat alle Qual ein Ende. Wie das Rsseln der Brust immer heftiger wurde, winkte er mich zu sich hin und lispelte, hörst du es, man sollte sagen es könne keine fünf Minuten mehr so währen. Bis zum letzten Augenblick behielt er volle Besinnung und sagte zuletzt, Gott gebe, dass dieser Kampf bald ein Ende habe; jetzt bekam er Ruhe und schlummerte sanft und in Gottes Willen ergeben in jenes Leben hinüber welches für ihn seinen Schrecken verloren hatte, es war dieses am 14. April Abends halb 10 Uhr.
Er hatte ein Alter von 64 Jahren und 5 Monaten erreicht. Am Dienstag den 18ten begleiteten wir seine sterbliche Hülle zur letzten Ruhestätte, bei welcher Pastor Faber eine sehr warme und tröstende Rede hielt. Der Text war Tessalonicher 4 vrs, 13 u. 14. Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten usw.

Der Entschlafene war auch für das Allgemeinwohl sehr thätig und sein Rath und Einsicht wurde von vielen Seiten in Anspruch genommen. Fast die ganze Zeit seines Lebens war er Mitglied des Gemeinderaths gewesen. Sämtliche Gebäude des Röltgenhof wurde von ihm neu erbauet.

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Winter 2007/2008

Der Winter von 1836 auf 37 zeichnete sich durch die Masse gefallenen Schnees aus. Anfangs April fror es noch sehr stark und gegen Mitte des Monats lag der Schnee an einigen Stellen noch Mannshoch.
Der am 12 October 1808 geborene Johann Heinrich war ein ziemlich kräftiger Knabe. Durch eine Kindmagd, die ihn verwahrte und die einen bösartigen Kopfausschlag (Grind) hatte, ohne dass seine Eltern dies wussten, wurde er auch angesteckt und sein ganzer Kopf mit einer Kruste von Ausschlag bedeckt. Alle Medizin die er auf Rath der Ärzte hiergegen nehmen musste, blieb ohne Erfolg. In seinem Siebten Lebensjahre war der Ausschlag so schlimm, dass er die Schule nicht besuchen konnte.

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In diesem Gebäude (heute Dorfstraße 54) war in dieser Zeit der Schul-
Klassenraum untergebracht.

Sein Vater hatte die Ansicht gewonnen, dass selbst die Wurzel des Haares krank sei, indem unten an demselben beim Ausziehen ein sogenannter Kus (etwa wie bei der Kappeskrankheit) sich befand, was bei gesundem Haar nicht der Fall ist; er kam daher auf den Einfall sämtliches auszuziehen. Zu dem Ende wurde der ganze Kopf mit warmen Pech bedeckt; dann 6 Wochen lang mit einer Mädchenkappe bekleidet und nach Ablauf dieser Zeit jeden Morgen von dem Vater mit einem alten Messer eine Partie Pech abgelöst. Beim Ablösen des Pechs bleib das Haar und die Wurzel desselben, weil alles mürbe geworden, daran kleben, und in Zeit von 14 Tagen war diese Operation beendigt, und der Kopf so rein, glatt und kahl wie die Hand. Diese Operation war sehr schmerzhaft, doch der Erfolg recht glänzend. Jeden Morgen wurde nun der Kopf mit etwas Kornbrantwein eingerieben; in der Zeit von 4 Wochen kam junges Haar frisch und dick zum Vorschein, und seit dieser Zeit blieb der Kopf rein und kräftigte sich seine Gesundheit sehr.
In seinem 12 und 13 Jahre besuchte er mit seinem Jugendkamerad Jacob Wensel, (später Dr. der Medizin) 2 1/2 Jahr lang das Progymnasium in Mörs, und nach diesem Schulbesuch wurde er zu Hause Enk und das Jahr drauf Baumeister. In seinem 17 Jahre war er völlig ausgewachsen, schlanken Körperbaus, doch von kräftiger Gesundheit, und da er große Lust zum Soldatenstande hatte, so gab sein Vater ihm Erlaubnis, freiwillig in die 7 Companie des 28 Infanterie-Regiments zu Cöln, dessen Hauptmann der Herr von Nyvenheim aus Caldenhausen, und der Jugendfreund desselben war, als Soldat einzutreten. Am 1 Februar 1826 trat er mit noch eineigen Kameraden seine Dienstzeit an, im Herbst 1826 wurde er Unteroffizier und im Herbst 1828 nach beendigter Dienstzeit, kehrte er nach Hause zurück und war thätig im Ackergeschäft.

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Haus Kaldenhausen, Sitz des Bürgermeisters von Friemersheim, Nyvenheim

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Im Jahr 1833 verehelichte er sich mit Drütgen Terneden. Samstag den 15 Februar fand deren Hochzeit auf Röltgenhof statt, und des darauf folgenden Samstag wurde solche auf Ternedens`hof gefeiert. Am 16ten Februar fand die erste kirchliche Proclamation Statt, und am ………. geschah die bürgerliche so wie die kirchliche Trauung im Hause der Braut im Beisein vieler Verwandten und Bekannten, durch den Bürgermeister Westerkamp und Pfarrer Faber.
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Geschichte der Familie Auf Ternedenshof
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Im Jahr 1720 am 24 April übertrugen die Eheleute Hermann und Zeiken Terneden den Terneden`hof an ihre Tochter Elisabeth. Im selbigen Jahr heiratete dieselbe den Hendrich Deckers aus Werthausen (der Wärt oder Wiese in Werthausen rührt aus dieser Trauung her). Diese Ehe blieb kinderlos und 1738 starb der Ehemann Hendrich.
1740 heirathete die Wittwe Elisabeth der erst 20 und einige Jahre alte Hermann Halfmann aus Rumeln, der wie es damals gebräuchlich, den Namen Hermann Terneden annahm. (Nach der Tradition soll dieser ein sehr lebensfroher und humoristischer Mann gewesen sein, der in seinen jüngeren Jahren gerne Jemanden, jedoch unschädliche, Streich spielte, in seinen späteren Jahren dagegen von jedermann hoch geachtet und lange Zeit Gerichtsschöffe der Kirchspiels Friemersheim war). Im Januar 1764 starb die Frau Elisabeth und wurde am 1 ten Februar begraben.
Hermann Terneden heirathete am 12.November 1766 die Jungfrau Elsken Küppers aus Caldenhausen. In dieser Ehe wurden gezeugt:

1. Heinrich Terneden
2. Wilhelm Terneden
3. Friedrich Terneden

Die beiden letzten waren sehr schöne, kräftige junge Leute und sehr fleißig und bewandert in ihrem landwirtschaftlichen Beruf. Obgleich ihre Jugend und Kraft ein hohes Alter versprach, so mussten sie doch schon so früh Beute des Todes werden; beide starben an einer Abnehmungskrankheit. Obgleich noch so jung und schöne Lebensaussichten vor sich, beklagten sie sich nie, sondern wie es wahren Christen geziemet, setzten sie ihr ganzes Vertrauen auf Gott und sprachen was Gott Thut, das ist wohlgetan. Ihr ächter religiöser christlicher Sinn, und Gottesfurcht, sprach sich in jedes ihrer Worte und Handlungen aus. Menschefreundlichkeit und Nächstenliebe übten sie in hohem Masse. Das Lesen der Heiligen Schrift und anderer Bücher religiösen Inhalts war Bedürfniß für sie; die Menge der vorhandenen Bücher, die sie sich angeschafft und noch im Besitz der Familie sich befinden, legen hierfür das lauteste Zeugnis ab. Von alle die sie kannten wahrhaft geliebt und tief betrauert, werdensie im Andenken noch lange fortleben, und Segen von diesem Andenken ausgehen.

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Restaurierte Hofanlage an der Dorfstraße

Der älteste Sohn Heinrich heirathete im Jahr …. Seine Nichte Margaretha Küppers aus Caldenhausen. In dieser Ehe wurden gezeugt:

1. Hermann Terneden, welcher kaum 1 Jahr alt schon wieder starb.
2. Elsken Terneeden geboren …., verehelicht im Jahr 1822 mit dem
Ackerer Hermann Fusten zu Bergheim,
3. Drütgen Terneden geboren 11 Juni 1811, Ehefrau von Heinrich
Röltgen.

Heinrich Terneden obgleich nicht so kräftig und stark gebaut wie seine Brüder, überlebte er doch beide, er war gleich wie sie ein tüchtiger Ackersmann und gleich an Gemüth und christlichen Tugenden. In der letzten Zeit seines Lebens kränkelte er sehr, konnte keine Speise vertragen, sondern genoß nur heiße, gekochte Milch, und hielt sich von der Gesellschaft anderer Menschen fern. Dieser Zustand dauerte mehrere Jahre, bis hierdurch sein Tod in einem Alter von erst 54 Jahre herbeigeführt wurde.
Da nun auf dem Hof keine verwandtschaftlichen Mannspersonen waren um das Ackergeschäft zu leiten, so nahm die Witwe Terneden ihren Bruder Wilhelm Küppers von Caldenhausen zu sich, der mit vielem Fleiß und Umsicht das Ackergeschäft bis zum Jahr 1847 leitete; er blieb auch bis zu seinem Lebensende, welches im October 1847 erfolgte, auf dem Hof. Sein Vermögensnachlaß wurde unter seinen 4 Geschwistern, Jacob auf Küppers Hof zu Caldenhausen, Johannes auf Michels Hof zu Rumeln, Jan oder Johann auf Pannertz Hof in Friemersheim, und Margaretha, Wittwe Terneeden, gleichmäßig verteilt.
Im Jahr 1837 übertrugen die Wittwe Terneeden und die Eheleute Hermann Fusten und Elsken geborene Terneden, den Eheleuten Heinrich Röltgen und Drütgen Terneden den Terneden Hof für die Summe von 6000 Thl. Preussisch courant.
Kinder aus dieser Ehe sind geboren:
1. Maragaretha, geboren den 4ten September 1833, verheiratet im
Oktober 1853 mit Hermann Heckhof
2. Heinrich, geboren den 8ten August 1835, konfimiert am 4 April
1852, zum größten Schmerze seiner Eltern und Geschwister starb
er in der Blüthe, wo das Leben erst zu knospen für ihn anfing,
schon am 26ten Januar 1853.
3. Agnes, geboren den 18 Januar 1838, confimiert am 9ten April
1854, verheirathet am 25 April 1861 mit Peter Boschheidgen zu
Neukirchen.
4. Jacob, geboren 29 April 1841, konfimiert am 5ten April 1857.
5. Elisabeth, geboren den 14 October 1843, konfimiert am 17. April
1859, verheirathet April 1868 mit Gerhard Holsen aus Atrop.
6. Catarina, geboren den 18. Mai 1846.
Da die Beaufsichtigung der beiden Höfe Terneden und Röltgens sehr umständlich und Heinrich Röltgen auf dem Hofe seiner Frau sich befand, so wurden ??ca 60 Morgen der abgelegensten Grundstücke aus beiden Höfen verpachtet. Die Mutter Agnes Röltgen blieb jedoch auf Röltgens`hof wohnen; sodann eine Magd und 4 bis 5 Stück Kühe.

Der am 8ten August 1835 geborene Sohn Heinrich war in seiner Jugend ein sehr zarter Knabe, doch wuchs er später ziemlich kräftig und dem Anscheine nach gesund auf. Er konnte fortwährend die hiesige Schule besuchen und eine Seltenheit war es, wenn er einen Tag aus der Schule wegen Unwohlseins hätte bleiben müssen. Der liebe Gott hat ihm gute Geistes-Anlagen verliehen, recht tüchtige Fortschritte. Seine Lehrer gaben ihm die besten Zeugnisse. Nach zurückgelegtem 14. Lebensjahr besuchte er mit einigen anderen Kindern die Kandidaten Schule des Pfarrers Friedrich Nidden zu Friemersheim. Diese Schule war in der Pfarrwohnung; es unterrichteten an derselben der Pastor, dessen Kandidat und wöchentlich einige Stunden der Lehrer Melcher an der Elementarschule in Friemersheim; zu gleichen Zeit besuchte er in dieser Zeit den Religionsunterricht, und wurde Ostern 1852 konfimiert und aus der Schule entlassen.
In diesen beiden letzten Jahren hatte sich nicht nur sein Geist und Gemüth herrlich und schön entwickelt, sondern auch sein Körper war nicht zurückgeblieben. Er war hoch und schlank gewachsen; seine Größe betrug 5 Fuß 6 Zoll. So nun an Geist und Körper ausgerichtet um im Geschäfte seiner Eltern hülfreich Hand zu leisten, da begann er einige Wochen nach Ostern über heftiges Kopfweh zu klagen und war genöthigt einige Tage das Bett zu hüten. Nachdem dies Unwohlsein vorüber, nahm er wieder an den landwirthschaftlichen Beschäftigung theil. Gegen Himmelfahrtstag wiederholte sich voriger Zustand verbunden mit heftigen Zahnschmerzen, auch jetzt ging es vorüber, und wir dachten nicht im Geringsten daran, dass es gefährlich werden könnte; Drei Wochen nach Pfingsten, als er mit seinen Geschwistern Nachmittags Kleeheu umgewendet, kam er Abends nach Hause zurück und klagte, dass er trotz der Starken Sonnenhitze doch kalt gewesen und ihm gefröstelt habe. Diese Kälte kehrte jeden Tag zurück, erst da fing sein Zustand an, uns bedenklich zu machen und Besorgniß einzuflößen.
Der Doctor Puller von Crefeld der schon früher zu Rath gezogen, untersuchte seinen Zustand und Brust genau, und erklärte, es habe nicht zu bedeuten, wir mögten nur ganz ohne Sorge sein. Am 15ten October der Geburtstag des Königs, welchen die Emmericher Gemeinde feiert und auf diesen Tag ihre Kirmeß verlegt haben, ging er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Bergheim und Heckhoffs; auch ging er noch einmal im Spätherbste zur Kirch nach Friemersheim und seine Eltern gaben sich der Hoffnung hin, dass alle Gefahr beseitigt sein möge. Gegen Martini trat das Fieber wieder heftiger hervor, verbunden mit einem kurzen, trockenen Husten; auch finger an abzumagern, und die Seinigen schwebten stets zwischen Furcht und Hoffnung.

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Er bewohnte mit seiner Großmutter das untere Zimmer im Hinterhause neben der Küche. Letztere litt gegen Weihnachten an der sogenannten Belrose; dieselbe zeigte sich zuerst am linken Bein, vom Knie bis zum Schenkel war dasselbe etwas geschwollen und geröthet. Diese Belrose zog von einer Stelle zur andern und verursachte ihr etwas frösteln und Unbehagenkeit. Nach einigen Tagen verlor sich die Rose und sie schien ganz hergestellt; sie war eine korpulente, kräftige Frau. Am 18ten Januar stellte sich wieder ein frösteln ein. Am 20ten Morgens 7 Uhr, als wir Kaffee trinken wollten, ging die älteste Enkelin Margaretha zu ihr und fragte ob sie auch mit Trinken wolle, sie stand auf, und weil sie sich nicht gut bücken konnte, zog Margarethaihr die Strümpfe an; da auf einmal sagte sie, Kind, ich sterbe, und legte das Haupt auf die Stuhllehne. Wir eilten zu ihr, sie zeigte auf die Brust und kaum vernehmlich lispelte sie, dass die Krankheit ihr auf das Herz geschossen sei, wir legte sie sanft zu Bette; sie sprach nicht mehr und gegen Œ vor 10 Uhr morgens starb sie zum größten Leidwesen der ihrigen. Am 5. Januar wurde sie zur Erde bestattent.

Der Enkel, welcher wie erwähnt, mit der Großmutter ein Zimmer bewohnte, wurde am 20ten durch den Tod derselben, die er so liebte, auf`s gewaltigste erschüttert und sein Zustand verschlimmert. Er war jedoch noch immer so kräftig, dass er von einem Zimmer ins andere gehen und den ganzen Tag aufbleiben konnte; dies war auch am Beerdigungstag der Großmutter der Fall. Am Abend des 25ten Januar verschlimmerte sich sein Zustand sehr.
Sein Vater schlief des Nachts bei ihm; diese Nacht war eine sehr schmerzensreiche Nacht für ihn; ununterbrochen musste er husten, kalter Schweiß floss von seiner Stirne, unaufhörlich wälzte er das Haupt von einer Stelle zur anderen und kein Schlummer erquickte ihn. Sein Vater von Schmerzen überwältigt, erhielt nun die vollste Überzeugung, dass alle Hoffnung verloren sei, er fragte ihn, wie geht es dir lieber Heinrich, und immer erhielt er und die Seinigen die Antwort, es geht mir gut. In der Nacht wurde ihm Kamillenthee zurecht gemacht, aber der Husten blieb derselbe.
Gegen 7 Uhr Morgens ließ er plötzlich nach; allein leider war dies kein Zeichen der Besserung, sondern ein Zeichen der abnehmenden Kraft der Lungen, an Stelle des Hustens, war ein sägen und rasseln der Brust eingetreten. Um 8 Uhr stand er noch allein auf und ging auf den Nachtstuhl, sein Vater wollte ihn helfen, allein er lehnte es ab und sagte, er wolle sich anziehen und in der Stube Kaffee trinken. Sein Vater, der sah, dass er nicht lange mehr leben würde, bat ihn sich noch etwas ins Bett zu legen, bis seine Mutter käme, ja sagte er, das will ich thun. Er ging alleins ins Bett und sein Vater setzte sich ans Fußende desselben. Mit einem überausliebevollen, fast verklärten Blick sah er seinen Vater an und drückte dessen Hand ans Herz, der Vater fragte ihn, hast du mich so lieb? Ja antwortete er, ich liebe Sie so sehr. Auf Befragen, ob er wünsche, dass Dr. Puller heute kommen solle, sagte er, ja.
Sein Vater ging ins Nebenzimmer um an den Dr. zu Schreiben. Seine Mutter und die anderen Geschwister waren von Schmerz überwältigt nicht im Stande den leidenden Anblick des lieben Heinrichs zu ertragen. Die Schwester Agnes war allein bei ihm im Zimmer; er hatte noch mehreres mit ihr besprochen, sie hatte bemerkt, dass er seine Fingerspitzen besehen und befühlt, und dann unter`s Bett gesteckt habe. Und als sie ihn um etwas fragte und keine Antwort erhielt, rief sie den Vater, und als dieser kam, war sein Auge schon gebrochen und sanft und ruhig im Verscheiden. Er starb am 26 Januar 1853. Morgens 10 Uhr im Alter von 17 Jahren 5 Monaten. Am 29ten wurde er beerdigt. Pfarrer Nieden hielt eine schöne ergreifende Rede. Derselbe war so freundlich letztere dem Vater schriftlich zu geben und wird in der Familie bewahrt bleiben. Friede seiner Asche.

hausgewann
Sonnenuntergang „Am Hausgewann“, Februar 2008

Die Ehe von Hermann Fusten und Elsken Terneeden blieb kinderlos. Sie hatten des Mannes Schwesternsohn Hermann Heckhoff von Kind an zu sich genommen, und damt das Gut in der Familie bleiben mögte, war es ihr Wunsch, dass genannter H.Heckhoff die Margaretha Röltgen heirathete. Diese Heirath fand im Oktober 1853 statt, und sind dieser Ehe zwei liebenswürdige Kinder entsprossen. Hermann geboren im Juni 1854 und Elsken am 22.Dez.1856. Die Eheleute Fusten sind bieder und brav. Fleiß und Umsicht hat sie zu großem bedeutendem Vermögen gelangen lassen.

Am 17 Januar starb die vorgenannte liebenswerte kleine Tochter Elsken im Alter von 3 Jahren 1 Monat an der Halsbräune nach unsäglichen Leiden zu größter Weh der Elter und Angehörigen, am 20 Nachmittags wurde sie zur Erde bestattet.
Friede ihrer Asche.

Jacob Wenzel der Jugendfreund von Heinrich Röltgens studierte Medizin und war ein ausgezeichneter Arzt, dem von nah und fern Kranke zuströmten. Im Jahr 1842 siedelte er mit seiner Frau, eine geborene Julie Winniertz, von Krefeld nach Rumeln über, und bewohnte das Mörter`sche Haus. Angenehme und lehrreiche Abende hat Schreiber dieses mit demselben verlebt; leider jedoch starb er schon im 38 Lebensjahr am 2 Februar 1845 an der Schwindsucht, betrauert von allen die ihn als Arzt und Mensch hochschätzen gelernet. Sein sterblicher Leib ist in dem Familienbegräbniß Röltgens beerdigt, und ist dort ihm von der Familie Winniertz ein Denkmal gesetzt worden.

Hermann Elsermann Lehrer in Rumeln und Freund der beiden Obenerwähnten starb Ostern 1850, unverheirathet im 39 Lebensjahr. Er war in jeder Beziehung ein ausgezeichneter Mensch. 6 Jahr ging er bei Terneden in Kost und war ganz zum Hausfreund geworden. Sein Umgang wirkte auf alle belehrend und veredelnd.

1840 wurde das Vorderhaus und das Backhaus gebaut, welches circa 3000 Thaler kostete.
1855 wurde die Scheune gebaut, sie kostete 1900 Thl.
1858 war der Sommer so trocken wie nie seit Menschengedenken. Futterkräuter fehlten fast gänzlich gänzlich, das beste Getreide blieb so klein, als wenn es auf Schai gestanden; dazu kam Anfang August ein so heftiger Sturmwind, dass der Weizen der noch nicht gemähtwar, mehr als die Hälfte ausgeschlagen wurde. Der Ertrag der Ernte fiel ganz gering aus, zudem kostete das Malter Weizen nur 9 Thl. Welches in den vergangenen letzten 4 Jahren bei reich gesegneter Ernte 13, 15 bis 18 Thl. das Malter kostete. Es war deshalb ein sehr schlimmes Jahr für welche Leute welche auf Schulden saßen, oder theuer Land gekauft oder gepachtet hatten. Fast alle Brunnen mussten ausgetieft werden, sämtliche Kanäle und Gräben waren ausgetrocknet, sie wurden mehrere Frß ausgetieft und noch fand man kein Wasser, 2 Jahre lang konnte man von hier nach Fusten trockenen Fuß gehen und die ältesten Leute konnten sich solches nie erinnern. Fast (Kopie nicht leserlich) … viel Vieh wurde abgeschafft und geschlachtet ….. es über die Hälfte.

1858 im Frühjahr, zog Wittwe Nees Röltgen zu ihrem Sohn nach Terneden, sie war alt und schwach und bedurfte der Pflege. Röltgens Haus wurde zugeschlossen und stand leer. Vermiethen mochten wir es nicht. Im Herbst 1859 zog sie wieder auf Röltgens.
Der Winter 1858/59 zeigte sich durch große Gelindigkeit aus. Frost und Schneewetter wurden nicht bemerkt. Die kleinere Leute konnten fast den ganzen Winter hindurch für das Vieh Futter suchen. Alle Befürchtungen wegen des großen Futtermangels wurden zu Schanden. Das Frühjahr zeichnete sich durch fast anhaltenden Regen aus; dabei war es warme Witterung. Felder und Wiesen prangen in schönster Üppigkeit. Auch das Grundwasser stieg deshalb in Brunnen und Gräben.
Die Ernte an Stroh und Heu war überreich, dagegen der Körnerertrag ein geringer. Die Kartoffelernte sehr ergiebig, verdarben jedoch an der Fäule in den Kellern mehr als um drei Viertel.

Wegen des im Mai 1859 zwischen Frankreich und Österreich in Italien ausgebrochenen Krieges wurde unsere Landwehr einberufen und zur Mobilmachung der Kavellerie und Artillerie mussten die Kreise Pferde stellen. Nachdem die Österreicher völlig besiegt wurde Friede geschlossen und im September wurde die Landwehr wieder entlassen und die überflüssigen Pferde verkauft. Um die verlorenen Pferde zu ersetzen, kauften wir eins auf dem Markt zu Düsseldorf zu 125 Thl. das andere von einem Handelsmann in Mörs zu 200 Thl. Beide waren sehr kräftige und schöne Thiere und 6 Jahre alt.

Am 28. Dez. 1859 kauften wir in Crefeld eine neue 4 sitzige Chaise nebst Pferdegeschirr zu einem Preis von 270 Thl.
Am 21.ten März 1860 Morgens 2 Uhr starb Agnes Tollmann, Ehefrau Jocob Schmidt an einem Brustleiden, welches sich innerhalb 3 Monate ausbildete, tief betrauert von uns Allen, am 24 ten Nachmittags 2 Uhr wurde die sterbliche Hülle zur Erde bestattes. Sie war alt geworden 21 œ Jahr, und hinterließ 2 Kinder, Anna 4 Jahr und Heinrich 9 Monate alt.

1860 im Frühjahr bauten wir das Flügelgebäude an der Gartenseite, desgleichen die Schweinställe an Heckmanns Seite, kostete circa 800 Thlr.

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6 Januar wurde den Eheleuten Hermann Heckhoff und Margaretha Röltgen ein Töchterchen geboren, dasselbe erhielt bei der Taufe den Namen Elsken.
3ten October 1863 wurde vorigen Eheleuten wieder ein Töchterchen geboren, welches den Namen Gertrud erhielt.

Der Winter von 1860/61 war ziemlich strenge, viel Schnee, 16 Grad Kälte, am 19 Januar stellte sich hier der Rhein. Große Befürchtung vor Eisgang und Überschwemmung, doch durch Gottes gnädige Führung ging die Witterung ohne Regen ab, und die Eismasse ging am 28 Januar ohne Schaden zu verursachen, ab.

7ten Februar 1862 wurde den Eheleuten Peter Borscheidgen und Agnes Röltgen ein Töchterchen geboren, welches in der Taufe den Namen Elisabeth erhielt.

16ten März 1863 desgleichen ein Töchterchen, welches den Namen Gertrud erhielt.

6 März 1865, desgleichen ein Töchterchen, welches den Namen Maragaretha erhielt. Dasselbe starb jedoch den 24 Januar 1866 an einer Brustentzündung.

friedhofkapelle
Friedhofskapelle Rumeln

Peter Boschheidgen entschlief am 12 Mai 1867 5 Uhr plötzlich und unerwartet am Herzschlage. Er war ein mann von einfachem, edlem Sinn. Hochherzigkeit und Bravheit war der Grundzug seines Herzens und von jedermann hochgeachtet und beliebt. Seine Ehe war so glücklich, wie es nur je eine geben kann. Sein Verlust war für uns in überaus schmerzliches, insbesondere für seine Frau und die beiden Kinderchen.
Friede seiner Asche!

Mutter Agnes Röltgen geb. 7 Januar 1781 starb am 31 Mai 1864, 83 Jahr 3 Monate alt, tief betrauert von ihren Angehörigen, und ihr sterblicher Theil, wurde am 3 Juni bestattet.

Die zu ihrer Sterbestunde blieben ihre Geisteskräfte ungetrübt. Liebende Vorsorge für die ihrigen war ihr Herzensbedürfniß. Auch für die Noth fremder Menschen, hatte sie ein fühlendes Herz und mildthätige Hände.
Sie lebte zuletzt mit einer Magd auf Röltgenshof. Ihr Sohn Heinrich besuchte sie fast täglich, und in traulichem Gespräche mit ihr gehörte zu seinen genussreichsten Stunden. Sie litt sehr an Gicht, konnte fast nicht mehr gehen und saß den Tag über stets im Stuhl; sonst war sie ganz gesund und sehr geistig frisch. Drei Wochen vor ihrem Tode stellten sich Schmerzen in der linken Seite ein. Der Arzt hielt diese für entzündliche und nicht für ganz bedenklich. Einige Tage vor ihrem Tode liessen die Schmerzen nach, und wir gaben uns der Hoffnung hin, sie noch länger den ihrigen erhalten zu sehen. Am 31 Mai morgens 7 Uhr steht sie auf, lässt sich anziehen und will Kaffee trinken, da fühlt sie sich unwohl, sie sagt zu der Magd, mir wird schwindelig, schicke zu Heinrich, dass er schnell kommt. Er findet sie im Stuhle in gebückter Haltung sitzend, sie erkennt ihn und lisoelt, Heinrich mir ist nicht gut, und darauf haucht sie in seinen Armen ihren Geist aus. Voll Wehmuth und Trauer drückt er eine der liebendsten und edelsten Mutter die Auge zu.
Friede ihrer Asche !

Margaretha Heckhoff geb Röltgen entschlief dem Herrn an 3ten März morgens 4 Uhr, 1865 an einem Brustleiden. Sie war sehr geistreich, dabei wohlwollend gesinnt gegen alle Menschen, überhaupt edlen Charakters. Durch sie gewann Fustens Haushaltung an Ansehen und Gastfreundschaft. Mit ihrem Tode war der Friede aus dem Hause nicht nur gewichen, sondern das gespannteste Verhältnis trat zwischen Fusten und Terneden ein. Es bewarb sich kurz nach dem Tode argaretha`s deren Ehemann um die Tochter Elisabeth Röltgen, letztere spürte hierzu nicht die geringste Neigung. Ihre Eltern ließen ihr freie Wahl. Hierdurch wurde Herm Heckhoff so erbost, daß er alle Freundschaft kündigte, bis dato 1867 ist fast keine Verbindung zwischen beiden Häusern gewesen.

6ten April 1871 ist Elsken Terneden, Ehefrau Herm. Fusten gestorben an einem Magenleiden.

Hermann Cleef gen Fusten starb den 28.Mai 1850.

Im Vorsommer, 1864 wurde das Hinterhaus neu aufgebaut. Es kostete ca 1500 Thlr.
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Herr Pastor Nieden in Friemersheim wurde im Februar 1839 ordiniert. Er war ein wahrer Jünger Jesu, Vater der Armen, durch Rath und Tath Berather der ganzen Gemeinde. Er besass das Vertrauen und die Liebe der Pfarrkinder in so hohem Grade, wie es wohl selten bei einem Pfarrer der Fall gewesen sein mag. Aus Liebe zu der Gemeinde schlug er mehrere Male die glänzendsten ihm angebotenen Pfarrstellen aus. Im Jahr 1866, wurde er als Präses der Rheinischen Provinzial-Synode nach Köln gewählt. Es fiel im schwer den Ruf anzunehmen, nur das Bewusstsein, dass er in dieser Stellung viel zum Segen und Gedeihen zu wirken vermöge, machte den Entscheidungskampf für ihn so schwer. Er liess das Loos entscheiden und dies entschied für Coblenz. Liebe und Dankbarkeit wird ihm bleiben bis in Ewigkeit.

Zu seinem Nachfolger wurde am 13. Dez. 1866 gewählt Herr Pfarrer Weigle in Mettmann. Die Abholung desselben erfolgte am 1. März 1867 und seine Einführung durch den Suuperintendenten Fabricius Sonntag den 3. März. Derselbe ist ein wahrer, treuer Jünger Jesu, Christi, der das Wort Gottes wahr und laut verkündigt, mit grossem Fleiss den Kranken und Betrübten aus Gottes Wort Trost spendet; ein warmes Herz für Nothleidende hat und mit Rath und Tath jedem behülflich ist. Niedergeschrieben im Monat Februar 1874.

Das zu Rumeln durch den Grafen Hermann Neuenahr zu Mörs, erbaute Nonnenkloster Marienfeld (aufgehoben unter französischer Herrschaft) war im Jahr 1866 _Eigentum des Herrn von Rath zu Lauersford. Derselbe hatte in demselben eine Fla(s)chschwingelei und eine Superphosphat-Fabrik errichet. In der Nacht vom 30 auf 31. Januar 1867 brach Feuer in dem Flachslokal aus. Im Nu stand das ganze Gebäude in Flammen und brannt bis auf`s Mauerwerk total ab. Es war eine grässliche Nacht, ein rasender Sturm tobte. Es war ein Glück, dass der Wind aus Westen kam, und die Flammen und Feuerbränden feldeinwärts trieb; sonst wäre der mittlere Theil des Dorfes wohl gänzlich mit abgebrannt. Der frühere Theil des Klosters, welche zur Kirche gedient, und eine Zierde des Dorfes war, ist verschwunden. Es ist fast ein Wunder, dass die Flügeln vom Kempkies und Hellwigen (auch Klostergebäuden) gerettet werden konnten.

Nachdem Herr von Rath den Platz und die unversehrt gebliebenen kleine Wohngebäude an Hornemans verkauft, wurde der 105 Fuss hohe Schornstein umgehauen am 23.ten Januar 1867

1866 im Sommer Krieg zwischen Preussen und Österreich, in welchem Österreich total besiegt wurde.

Den Eheleuten Gerhard Hülsen wurde am 21. September 1868 ein Söhnlein geboren, welcher in der Taufe den Namen Heinrich erhielt. Desgleichen am 18ten Juli 1870 ein Töchterchen geboren, mit Namen Catharina.
Im Monat Juli erklärte Frankreich, ohne Grund dazu zu haben, Preussen den Krieg. Ersteres war eifersüchtig über den Ruhm und Sieg Preussens über Österreich und befürchtete, dass das seit Jahrhunderten zerissene und uneinige Deutschland unter Preussischer Hegenomie sich einigen möchte. Es war deshalb auf Preussens Demüthigung und Verkleinerung durch den Verlust der Rheinprovinz abgesehen. Wie ein Mann erhoben sich die Bruderstämme Deutschlands unter Preussens Führung gegen Frankreichs Frevel- und Übermuth. Bereits Anfang August standen die deutschen Truppen an Frankreichs Grenze, überschritten dieselbe und erfochten Sieg über Sieg, bei Weissenburg und Wörth unter Führung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preussen. Bei Gravelotte wurden die Franzosen vom Prinzen Friedrich Karl geschlagen und zogen sich in die Festung Metz zurück. Nach achtwöchentlicher Belagerungdesselben musste es sich ergeben und über 100.000 Mann wurden als Gefangene nach Deutschland geführt. Dann vollständiger Sieg der Deutschen bei Sedan. Die Französische Armee musste kapitulieren, die Waffen abgeben und der Kaiser Napoleon III sich gefangen geben. Wiederum wurden 134.000 Mann in Gefangenschaft nach Deutschland geführt. Dann erfolgte die Belagerung von Paris. Nach mehrmonatlicher Belagerung musste es sich ergeben und die Preussen zogen als Sieger ein. Ausser diesen Hauptsiegen fanden noch viele Schlachten und Gefechte statt, in denen die Deutschen siegten. Die Zahl sämtlich gefangener Franzosen betrug zwischen 3 bis 400.000 Mann. Diese Schlachten waren so hartnäckig und blutig; auch deutscherseits waren die Verluste gross und schwer. Nach amtlicher Bekanntmachung beträgt die Zahl der Todten, Verwundeten und Vermissten 110.000 Mann. Den ganzen Winter dauerte der Krieg und bei dem strengen Wiinter hatten unsere Soldaten, Strapatzen und Entbehrungen aller Art zu erleiden. Aber auch der Opfermuth der zu Hause sich befindliche deutsche Bevölkerung war gross und erhaben; sie wusste was auf dem Spiele stand, wenn Frankreichs Pläne gelungen wären.

Es bildeten sich überall Vereine, die sich zur Aufgabe machten, warme Bekleidungsstücke, Tabak und Geld zu sammeln, welche den Truppen in Frankreich zugesendet wurde. Die Frauen und Kinder der einberufenen Landwehrmänner wurden reichlichst von den Gemeinden unterstützt. Neben dieser Unterstützung erhielt jeder der im Felde und im Militärdienst stehender Mann ob bei der Linie oder Landwehr aus unserer Bürgermeisterei monatlich 2 Thlr. Zugeschickt, welches von den Leuten sehr dankbar anerkannt worden ist. Nach Niederschlagung des Communisten-Aufstandes in Paris wurde der Friede abgeschlossen. Die Landwehr und ein grosser Theil der Linien-Truppen kehrten zurück. Der Jubel im Lande hierüber war ein grosser. Inzwischen hatten die deutschen Fürsten und Regierungen dem König von Preussen die deutsche Kaiserkrone angetragen, die auch von demselben angenommen wurde. Am … wurde in allen Kirchen Deutschlands das Sieges- und Friedensfest und zur Erinnerung an die grosse Zeit und Errungenschaft in allen Gemeinden ein Symbol errichtet für die Nachwelt und kommende Geschlechter.

An genanntem Tag, Nachmittags 2 Uhr, hatte sich die Einwohnerschaft von Rumeln und sämtliche Schulkinder in der Schule in welcher der Lehrer Otten auf die Bedeutung des Tages hinwies, versammelt. Nach dieser Feier versammelten sich alle auf dem Schulspielplatz um der Pflanzung „der Friedenslinde“ beizuwohen.
Der Gemeindevorsteher Heinrich Röltgen, umgeben von den Mitgliedern des Gemeinderaths, hielt die Festrede und unter Gesang der Schuljugend und der Einwohnerschaft wurde die Linde durch die Hand des Ackereres Wilhelm Eikschlag gepflanzt.

marienfeldschule
Winter 2007/2008, hier wird die Friedenslinde als „Dorflinde“ bezeichnet.
(Im Hintergrund die Sporthalle der Marienfeldschule)

Möge der Wunsch des Festredners, der die Linde taufte „die Friedenslinde“ in Erfüllung gehen, dass sie grünen und blühen möge, unter dessen Schatten die späteren Nachkommen sich sammeln mögen um die grossen Tathen der Väter zu gedenken und zur Nachahmung in Zeiten der Gefahr begeistert werden, dass sie ein stummer Zeuge des Friedens und Eintarcht der Gemeindebewohner unter einander sein mögte, wie es bisher unter denselben der Fall gewesen ist. Das wallte Gott. Amen !
Gerhard Hülsen hat als Landwehrmann den Feldzug mitgemacht und kehrte gesund und wohl aus demselben zurück. Überhaupt ist Niemand aus unserer Gemeinde Rumeln geblieben.

Der Winter 1870/71 zeichnete sich durch aussergewöhnliche Witterung aus. Frost und Thauswetter wechselte rasch ab, so dass der Boden nicht durchthaute, der Obergrund stand stets voll Wasser und dann trat wieder Frostwetter und schafer Wind ein. Im Frühjahr war Weizen und Roggen fast sämtlich erfroren und musste umgepflügt werden. Einige Landwirthe hatten keine Ruthe Weizen mehr; der nicht umgepflügte brachte nur sehr wenig bei, durchschnittlich pro Morgen 1 œ Mltr. Die ältesten Leute erinnerten sich nicht ein solches Jahr erlebt zu haben. Die Sommerfrüchte lieferten sehr reichlichen Ertrag.

Schreiber dieses, Heinrich Röltgen, sonst kräftig und gesund, erkrankte im August 1856 an einem rheumatisch gastrischen Fieber, das ihn nöthigte fast 10 Wochen lang das Bett zu hüten. Nach seiner Genesung blieb ein Halsübel zurück, welches jedoch allmälig an Schärfe und Hartnäckigkeit verlor, so dass er seine Geschäfte, sowohl private als öffentliche vorstehen konnte. Er gehörte zu der Grundsteuer-Einschätzungs-Commission, die im Jahr 1862 und 1863 die Liegenheiten des Kreises Mörs neu einzuschätzen hatten. Er und sein Kollege Heinrich Smittmann aus Schaphuisen haben eingeschätzt die Bürgermeistereien: Friemersheim, Emmerich, Homberg, Baerl, Mörs, Stadt und Land, Capellen, Neukirchen, Vluyn, Schaphuisen u. Rheurdt.

Es war dieses ein sehr interessantes aber auch ein sehr anstrengendes Geschäft. Am 18ten October 1864 war die Arbeit beendigt und zwar zuletzt in der Bürgermeisterei Hochemmerich. College war den ganzen Sommer lang nicht wohl; nichtsdestoweniger wollte er sich keine Ruhe gönnen; in den letzten Arbeitstagen vermochte er kaum noch durch`s Feld zu gehen; er setzte sich hin und überliess uns die Grundstücke zu untersuchen und ihm dann darüber zu berichten. Als wir nach beendigter Arbeit Abschied nahmen, sagte er jetzt will ich mich zu Haus mal ausruhen und pflegen, damit ich wieder bei Kräfte komme. Am 23ten November 1864 also kaum 1 Monat später erhielt von seinen Angehörigen die Nachricht, das er am 23 bereits entschlafen sei und zwar am Magenkrebs. Er war katholischer Confession, aber ein braver, herzensguter Mann und wohlwollend gegen Mitmenschen anderer Confession.

Am 24ten November 1873 wurde Heinrich Röltgen plötzlich von einer Lungen- und Rippenfellentzündung befallen, die sehr für sein Leben befürchten liess. Als die Gefahr vorüber hatte die Krankheit so viel widerwärtiges in ihr Gefolge, dass er unsägliches daran ausgestanden, nämlich: Husten, Müdigkeit in den Gliedern, complette Schlaflosigkeit, Anfang März 1874 stellt sich Besserung ein und wurden die ersten Ausgänge gemacht.

Nach dem Ableben des Schwiegersohnes Peter Boschheidgen am 12ten Mai 1867 fuhr der Vater Heinrich Röltgen wöchentlich meistens zweimal nach Boschmannshof, blieb auch manchmal über Nacht dort, um die ländlichen und Feldarbeiten zu leiten und anzuordnen. Er hatte hinlänglich Zeit und Musse dazu, indem sein Sohn Jacob zu Hause das Ackergeschäft vorstehen konnte. Wie schwer und wehmüthig es zuerst dem Vater angekommen ist, den lieben Schwiegersohn zu vertreten, so hat er doch später mit wahrer und grosser Freude die Reisen nach Boschmannshof zu seiner Tochter und den beiden Enkelkindern Elisabeth und Gertrud vorgenommen, und freute sich insbesondere der geisteigen Entwicklung derselben. Von Herbst 1867 an wurde eine qualifizierte Lehrerin im Hause angagirt um die Kinder zu unterrichten. Letztere waren sehr begabt, machten in allen Fächern sehr gute Fortschritte, insbesondere wurde vor allem Gewicht darauf gelegt, Herz und Gemüth nicht zu kurz kommen zu lassen.
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Den Eheleuten Gerhard Hülsen wurde am 7ten August 1874 ein Töchterchen geboren, welches den Namen Gertud erhielt, starb jedoch am 6. Juni 1878 an Diphterits, zu grösstem Weh der Eltern und angehörigen
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Desgleichen am 1. September 1850 (???)ein Sohn geboren, Namens Wilhelm.
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Bis hierher und nicht weiter, dass erfahren und fühlen wir auch jetzt wieder beim Hinscheiden unseres lieben, theuren Vaters, Heinrich Röltgen. Er starb den 28. Dezember 1879 Nachts 1 Uhr. Seine theure Hülle wurde am Sylvestertage den 31. Dez. zur letzten Ruhe bestattet. Was der liebe entschlafene uns und vielen seiner Mitmenschen gewesen, das vermögen wir hier in Worten nicht genug Ausdruck zu geben. Seine Ehe, so wie sein ganzes Familien-Leben ist eines der glücklichsten gewesen, das es geben konnte. Er hatte ein warmes Herz für Alle. Mit einer lebendigen Theilnahme verfolgte er alle Ereignisse und nahm mit so warmen Herzen an seiner Mitmenschen Ergehen theil. Er liebte seinen König und sein Vaterland, und war im Grunde seines Herzens ein gottesfürchtiger Mann.

Der Gemeinde Rumeln stand er 39 Jahre als Vorsteher vor.

Seit 1873, wo er die Lungenentzündung bekam, konnte er sich nie wieder recht erholen. Sein Brust blieb durch den Husten stets angegriffen. Im Sommer 1874 besuchte er das Bad Neuenahr, brachte ihm aber wenig Linderung. Doch konnte man seinen Zustand in den folgenden Jahren als ziemlich befriedigend nennen; er nahm wieder an öffentlichen Seitzungen theil und hielt wie früher seine Vorträge.

Im Sommer 1878 bekam er ein bösartiges Ohrleiden, und wollte nicht mehr heilen. Unsägliche Schmerzen verursachte ihn dies, so dass er manchmal Tag und Nacht keine Ruhe hatte. Alle angewandten Mittel vermochten ihm keine Besserung zu bringen. Nun gesellte sich noch ein drittes Leiden hinzu. Da er besonders an Schlaflosigkeit litt, so musste er Morphium nehmen, dadurch wurden aber seine Nerven so total ruinirt, dass er öfters äusserte: Dies wäre eigentlich sein grösstes Leiden mit.

Er trug sein Leiden mit einer seltenen Geduld, und verlangte er nach seinem Ende, wo alles Leid und Weh aufhören wird. Die letzten acht Tage gib es mit Riesen-Schritten abwärt, doch blieb er bis den letzten Tag im Sessel, und mussten wir ihn jeden Morgen in die Wohnstube führen, wo er dann sein Butterbrod und Kaffee einnahm und an seinem Lieblingsplatz das Tageslicht begrüßte, und seinem Gott dankte, das er so lange (35 Jahre in diesem neuen Haus) seine Gnade geniessen durfte.

Den letzten Morgen (Samstag) wollte er, wie immer wieder aufstehen, da sagte er, ich fühle, es geht heute nicht, um 10 Uhr sagte er, heute geht es mit mir zu Ende. Abends gegen 6 Uhr stellte sich Schlaf ein, doch wurde er mitunter wieder wach und sprach sehr verständig, so das sein Verstand bis an sein ‚Ende blieb. Gegen œ 1 Uhe musste er noch einmal Wasser trinken, und schlief dann ein, um für dieses Leben nicht mehr zu erwachen.

duerer
Friede seiner Asche ! ———-

Pastor Weigel hielt die Leichenpredigt: Am Grabe sprach er schöne Worte über den Text. Es ist vollbracht !
In der Kirche in Timotium: Ich weiss, an welchen ich glaube.