Die Postgeschichte

Grundlage für dieses Kapitel der Rumeln-Kaldenhausener Geschichte ist ein Artikel von Peter Wey. Dieser Artikeln von 1989 wird in schwarzer Schrift Grundgerüst für diesen Abschnitt sein. Meine Ergänzungen (2007) sind durch die Schriftfarbe (rumeln-kaldenhausener Blau) erkenntlich.

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So sieht das zentralisierte Postamt an der Rathausalle aus (2007). Es ist kleiner als die jeweiligen Postämter in Rumeln an der Dorfstraße und in Kaldenhausen an der Giesenfeldstraße. In der Zwischenzeit haben sie die Rumeln-Kaldenhausener Bürger an die längeren Wege zum Postamt gewöhnt und die Wartezeit hat sich im Vergleich zu früher auch nicht verlängert, denn die Abwicklung wurde insgesamt beschleunigt.

Besser geworden ist aber die „Abfertigung“ wie Herr Wey es genannt hat. Hinter den Schaltern stehen heute freundliche „Angestellte“ als Ersatz für die „alten“ Postbeamten, die zum Lachen noch in den Keller gegangen sind.

Daß es in Rumeln-Kaldenhausen einmal ganz anders aussah, zeigt ein Blick in die Akten. Die „Hohe Straß“ (heute B57) war schon im 17. Jahrhundert Postweg zwischen Köln und Kleve (später auch Nijmwegen). Etwa um 1858 war Ohligschläger Landbriefträger für unser Gebiet. Er wohnte in Rumeln am Kloster Marienfelde. Täglich holte er die Post in Uerdingen ab, trug sie aber nur an 3 Tagen in der Woche aus. Dienstags führte ihn seine Tour nach Kaldenhausen, Rumeln und Trompet. Dabei stellte er nicht nur die Post zu, sondern nahm auch abgehende Briefe mit, da etwa zur gleichen Zeit die Postwertzeichen eingeführt wurden.

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Am 1.7. 1881 wurde in Kaldenhausen eine Postagentur eingerichtet, und zwar offensichtlich in der heutigen Gaststätte „Ratskeller“, Düsseldorfer Straße 78 mit dem Postagenten Stapelmann. Die Einrichtung einer Poststelle in Rumeln erfolgte etwa ein Jahrzehnt später.

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Dieses Bild der Gaststätte „Ratskeller“ wurde ca. 1987 aufgenommen. Kaum ein Bürger wußte um den Sachverhalt, daß es hier einmal eine „Postagentur“ gegeben hat. Zu dieser Zeit gab es nur Postämter und erst heute (2007) gibt es wieder die „guten alten“ Postagenturen, in denen postalische Dienstleistungen im Zusammenhang mit anderen gewerblichen Tätigkeiten angeboten werden.

Der „Ratskeller“ hat noch einige Jahre Bestand gehabt, aber in 2007 wurde auch er Geschichte:

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Ein griechisches Restaurant hat Einzug in die alten Gemäuer gehalten.

Aus einer Verfügung des „Kaiserlichen-Ober-Postdirektors Köhne“ zu Düsseldorf vom 6.2. 1890 geht hervor, dass die „Posthülfstelle in Rumeln am 16. Februar 1890 in Wirksamkeit treten wird“. Die Verwaltung wurde „Herrn Heinrich Kriens, Wohlgeboren“ auf dem Kriens-Hof (neben der Zweigstelle der Stadtsparkasse an der Dorfstraße) übertragen. Sie wurde vor 1900 zur Dorfstraße 30, Gaststätte „Im Deutschen Haus bei Peter Heckmann“ verlegt.

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In Kaldenhausen wurde die Post zweimal täglich zugestellt, in Rumeln als „Landort in dem Zustellbezirk der Postagentur Kaldenhausen“ nur einmal täglich. Immerhin, beide Postämter waren in Gastwirtschaften untergebracht. Man konnte bei Besorgungen gleich auch noch ein paar „Kloore“ kippen. Es ist also anzunehmen, dass es immer ziemlich viel Betrieb „auf der Post“ gab.

Die Zuneigung der Bürger von Rumeln-Kaldenhausen zu alkoholischen Getränken wird in alten Schriften nicht dargestellt. Tatsache aber ist das vorhandensein von mehreren „Gaststätten“, die alkoholische Getränke nicht nur ausschänken sondern auch produzieren (Biere und Destillate). Und gerade diese Einrichtungen wurden Heim der ersten „Postdientstellen“, vieleicht weil hier ein Mittelpunkt der dörfliche Kommunikation zu finden war..
Damals wie Heute ist der Alkohol mit all seine Wirkungen Bestandteil des Lebens, positiv, wie negativ. Natürlich wurden „Kloore“ gekippt, aber dieser Sachverhalt war auch nur Teil des dörflichen Lebens.

Die Stelle des Postagenten in Kaldenhausen wurde 1926 vakant; die Agentur wurde deshalb 1927 unter der Leitung von Jakob Grenz zur Düsseldorfer Straße 132 verlegt. Nach seinem Tode führte die Schwester Käthe Grenz die Postagentur weiter, die am 1.11. 1934 in eine Poststelle umgewandelt wurde. Das neue Postamt an der Giesenfeldstraße wurde im Jahre 1966 in Betrieb genommen.

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Aus dem Postamt ist eine Reisebüro geworden aber den Kiosk gibt es immer noch.

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Neben der Poststelle Rumeln wurde im Jahre 1931 noch eine weitere eingerichtet, und zwar mit dem Poststempel „Hochfeld über Moers“ auf der Hochfeldstraße bei Jakob Erkens (etwa in Höhe der Schillerstraße).

Hier befanden sich eine Kolonialwarenhandlung und der große Backofen, in dem für die Bauern der Umgebung das Brot gebacken wurde. Auch hier wird wohl eine Flasche unter der Ladentheke gestanden haben, um bei einem Schnaps die neuesten Ereignisse zu besprechen.

Zu dieser Zeit hatte Rumeln-Kaldenhausen die meisten Poststellen, nämlich

Poststelle Kaldenhausen, Düsseldorfer Straße 132
Poststelle Rumeln, Dorfstraße 30
Poststelle Hochfeld, Hochfeldstraße 109

Was es da alles zu tun gab, geht aus einem Schreiben des Postamtes Moers an den Bürgermeister von Rheinhausen vom 25. Juli 1931 hervor:
„… Der Poststelleninhaber soll Wertzeichen verkaufen, Postsendungen aller Art, Telegramme annehmen und vermitteln, Zeitungsgelder, Rundfunk- und Fernsehgebühren einziehen, Postanweisungen, Renten usw. auszahlen und den gesamten Zustelldienst ausführen“.

Ein besonderes Kuriosum gab es aber noch. Für den Briefverkehr nach Rumeln und den Weiler Hochfeld sowie umgekehrt, aber auch zwischen Rumeln und Hochfeld war das Porto für den höheren Fernverkehr statt nur dem Ortsverkehr zu entrichten.

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1938 wurde die Poststelle Rumeln in das Kolonialwarengeschäft Paschmann (gegenüber dem heutigen Postamt Potmannstraße ) verlagert. Am 15. 2. 1941 wurde die Poststelle Hochfeld durch Bombentreffer zerstört und geschlossen. Die Poststellen Rumeln und Kaldenhausen wurden geschlossen, als 1953 das Postamt Rumeln, —

Fortsetzung folgt.

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Die Treppe rechts im Bild war Eingang zum Postamt.

Ich entsinne mich noch schwach an die „alten“ Schalterbeamten, die in stoischer Ruhe die Amtshandlungen (z.B. Überweisungen) abwickelten. Ein junger Beamter mit Hornbrille schien damals (Ende der 80er) die leitende Position im Rumeln-Kaldenhausener Postwesen zu übernehmen. Kurze Zeit nach Eröffnung des Postamtes an der Rathausallee „verschwand“ er

Als intensiver Nutzer des Postamtes an der Rathausallee konnte ich ab 1990 die zunehmend kundenorientierte Arbeitsweise der Postangestellten erleben. Diese Postangestellten waren eine echte Bereicherung für den Ort, wurden aber leider immer frühzeitig versetzt.

Trotzdem hoffe ich, daß diese positive Entwicklung bestand hat.