Die Geschichte

 

Als noch kein Mensch an Rumeln oder Kaldenhausen dachte lebten schon Menschen auf unserem Ortsgebiet:
Die ältesten Funde, die auf dem Boden unserer Heimat gemacht wurden, sind einige Hammer der jüngeren Steinzeit (2500 – 1500 v.Chr.). Sie wurden auf der ehemaligen Halfmannschen Ziegelei ausgegraben und befinden sich im Museum zu Mörs. Damit ist die Anwesenheit von Menschen in vorgeschichtlicher Zeit bewiesen.

Peter Dimmers „Die Chronik von Rumeln“

steinzeithammer

Ein Steinzeithammer – NICHT das Rumelner Model

Weitere archäologische Funde belegen eine Besiedelung während der Römerzeit:

Von der Anwesenheit der Römer erzählen uns zwei Funde auf unserem engeren heimatlichen Boden. Auf dem heutigen Papenacker im Mühlenwinkel sind vor mehreren Jahren römische Ziegel gefunden worden. Sie sind dem Mörser Heimatmuseum übergeben worden. Entweder ist auf dem Boden des heutigen Mühlenwinkels eine römische Niederlassung gewesen, oder man hat dort Ziegel gebrannt, weil der Lehmboden sich hier eignete, solche herzustellen.

Ein weiterer interessanter Fund ist die Lauersforter „phalerae“ ; ein Kunstwerk von seltener Schönheit. „Im November wurde nämlich bei Lauersfort in einer sumpfigen Niederung zwischen dem Aubruchsgraben und dem Schwafheimer Meer, dem Mühlenwinkel, die phalerae gefunden. Es sind metallene Verzierungen, welche ursprünglich am Riemenzeug der Pferde, dann auch von den Soldaten über dem Harnisch getragen wurden. Sie stellen militärische Ehrenzeichen dar, die, wie der eingeschriebene Name zeigt, einem G. Flavius gehörten. Bis zur Feinheit eines Papierblattes gehämmert und ein stark hervortretendes Relief herausgetrieben. Die Darstellungen zeigen acht Köpfe von Löwen, eine Medusa und anderes .“ (Dr. Hirschberg)

Peter Dimmers „Die Chronik von Rumeln“

Seit der Völkerwanderung (als Völkerwanderungszeit im engeren Sinne wird der Zeitraum von 375 bis 568 angenommen) war unsere Ortsgebiet ein Teil des Frankenreiches und gehörte zum Gau der Hattuarier. Am Rhein wohnten die Rheinuferfranken.

Nach der Herrschaftszeit Karl des Großen fällt die erste urkundliche Erwähnung unseres Ortes:

Zur Zeit Karl des Großen war durch Lindger das Kloster Werden gestiftet worden. Es hatt überall Besitzungen , und solche auch in Friemersheim. In den Urbaren des Klosters Werden werden uns Namen der Siedlungen genannt , wie sie vor dem Jahre 1000 auf dem hochwasserfreien Stellen bestanden. Darunter ist zum erstenmale um 894 der Name „Rumolohon“ – das heutige Rumeln. Damit ist urkundlich das hohe geschichtliche Alter unseres dörflichen Gebietes bewiesen. Abseits von allen Gefahren , die der heimatliche Strom durch die stete Veränderung seines Laufes mit sich brachte , waren diese Niederlassungen entstanden.

Peter Dimmers „Die Chronik von Rumeln“

karldergrosse

Von der Reformation bis 1800

Die Geschichte unseres Dorfes ist aufs Engste mit der der Grafschaft überhaupt verknüpft. 1392 gingen , wie bereits erwähnt , die Herrschaftsrechte , die bis dahin von den Herren von Friemersheim ausgeübt waren , an die Grafen von Moers über. Nach dem Register von 1538 mußten 19 Familien von Rumeln ihre Grundsteuern an den Graf von Moers entrichten. Alles , was das Gebiet der Grafschaft im politischen wie auch im religiösen Leben zu bestehen hatte , galt auch für Rumeln. Als die Reformation in der Grafschaft Eingang fand , bekannte sich Friemersheim 1547 zum neuen Glauben. Da Rumeln zur Kirchengemeinde Friemersheim gehörte , nahm man auch hier nach und nach die neue Lehre an.

1472: Gründung des Klosters Marienfelde (nicht mehr erhalten)

Die Leiden und Schrecknisse , dazu die furchtbaren Grausamkeiten dieser Religionskriege ,die unschuldige Menschen allerorts in der Grafschaft zu erdulden hatten , steigern sich , als die Spanier von 1586 – 1597 unsere Heimat drangsalierten. Die Protestanten hatten am meisten zu leiden. Große Armut und Verschuldung waren die Folgen. Vor dem zuständigen Gericht in Friemersheim , welches sehr oft auf der Cölve tagte , erklärten die Bauern später , daß es ihnen infolge des langen Krieges nicht möglich sei , die Abgabenschulden zu entrichten. Für diese Zeit wurden ihnen die rückständigen Zinsen erlassen.

Wie tief der Haß gegen die Spanier in den Herzen der Grafschafter lebte , beweist die Tatsache , daß alle Kreuze auf den Kirchen entfernt wurden , weil die Spanier es in ihrer Fahne führten. An die Stelle des Kreuzes setzten sie den Hahn , wie er heute noch auf den evangelischen Kirchen steht. – Moritz von Oranien eroberte am 3. September 1597 die Stadt Mörs und vertrieb die Spanier aus der Grafschaft

Während des dreißigjährigen Krieges war das Ländchen Mörs neutral. 1642 durchzogen französische und hessische Truppen raubend , plündernd und brandschatzend die Grafschaft. Das Kloster Marienfelde (gegründet 1472) ging in Flammen auf.

Noch einmal in diesem unruhigen Jahrhundert mußte Rumeln , das in dieser Zeit nach einem Bericht des Kölner Stadtarchivs vom Jahre 1643 aus 20 – 30 Häuser bestand, in berbissener Wut und Willkür fremder Soldateska über sich ergehen lassen. In Jahre 1672 zog Ludwig XIV gegen Holland. Es selbst schlug auf dem Borgschenhof sein Hauptquartier auf. Der Herzog von Luxenburg wohnte in Rumeln. In Massen ließ er Obstbäume abschlagen und verbrennen, obwohl große Eichen – und Buchenwaldungen im nahen Mühlenwinkel vorhanden waren.

Erst 1688 war der Niederrhein endgültig frei. Nun konnte der Grafschafter sich wieder ruhigeren Zeiten erfreuen. Sie fühlten sich wohl unter der oranischen Herrschaft. Als der Streit zwischen Oranien und Preussen begann, dauerte es noch 10 Jahre, bis endgültig 1712 die Grafschaft sich zu Preußen bekannte.

Nach den Schlesischen Kriegen (1740-1763) , an denen auch Rumelner Söhne teilnahmen, folgte eine Zeit des Friedens und der Ruhe , wo jeder seine Arbeit nachgehen konnte.

Zur Zeit der französischen Revolution

Dieses friedliche Bild änderte sich, als in Frankreich die Revolution ausbrach. 1792 rückten die Franzosen in die Grafschaft ein ; 1794 in Rumeln und Umgebung. Eine „kurz gefaßte Kriegsgeschichte vom Jahre Oktober 1794″ , die uns der Bauer Erkes hinterlassen hat, erzählt uns von den Landesfeinden in Rumeln. (wird später veröffentlicht)

Von den Bringern der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden überall Freiheitsbäume errichtet. Diese fielen stets über Nacht um und schänden nicht lange das Stadt- oder Dorfbild. In Kaldenhausen wurde ein solcher am 9.5.1799 errichtet.

Land und Leute von 1800 bis 1939

Über unsere Heimat, die in der damaligen Zeit zum Kanton Mörs im Bezirk Krefeld des Roerdepartements gehörte, erzählt uns vom Jahre 1804 im Handbuch für Geschichte und Erdkunde Johann Schmidt folgendes : „Dieser Canton ist der schönste und romantischste von allem im Departement und wird auf jeden Reisenden, der ein wenig Freund der schönen Natur ist, den angenehmsten Eindruck machen. Hier sind keine großen ungemessenen Sandfelder, keine stundenlangen Getreide – Äcker, keine hohen Berge, sondern Felder und Wiesen, Obst- und Gemüsegärten, größere und kleinere Waldungen, in denen vortreffliches Holz wächst, wechseln beständig miteinander ab. Die Menschen wohnen dort bei den ihren Gärten, Äckern und Feldern im Schatten der Obstbäume und des Laubholzes angenehm, und die Häuser der Dörfer sind in langen Reihen oder in einem großen Ganz – oder Halbzirkel herum niedlich gebaut. Der Boden ist fruchtbar und trägt Weizen und Roggen, Gerste und Hafer, Erbsen und Bohnen, Wicken und Linsen, Raps und Flachs. Die Wiesen tragen gutes und reichliches Gras und die Obstbäume vortreffliches Obst aller Art. Die meisten Bewohner bekennen sich zur ref. Religion und im Ganzen scheint viel Wohlstand zu herrschen. Die Tracht der Weiber, besonders ihr Kopfputz, weicht sehr ab und ist quiselartig, und die Lebensart auf dem Lande hat Ähnlichkeit mit der in dem brabantischen Kempen. In den Wäldern wohnen Turteltauben, Krähen, Raben, und Holtzheher. In den Feldern trifft man häufig die Erdnüsse an. Emmerich, ein ref. Kirchdorf am Rheine Neukirchen, Baerl, Kapellen, Homberg und Essenberg, Vluyn, Repelen, Rumeln und Oestrum sind ref. Kirchdörfer, deren Bewohner von den gesegneten Erträgen ihrer Äcker und Wiesen leben.“(Rheinhausener Zeitg. Vom 30.12.1937).

Rumeln liegt in der Bürgermeisterei Friemersheim , die 1794 gebildet wurde. Bis zum 1.7.1934 hat es zu ihr gehört. Das Gebiet von Rumeln umfaßt ein Flächeninhalt von 699,41,04 Hektar. Die Bürgermeisterei gehört von 1794 – 1813 unter französischer Herrschaft zum Departement de la Roer , Kanton Ürdingen , Armondissement Crefeld. 1813 kam sie zum Kreise Krefeld. Am 3.Dezember 1857 wurde der Kreis Mörs ins Leben gerufen , der von 1813 – 1823 unter dem Namen Kreis Rheinberg bestanden hatte, dann aber dem Kreise Geldern zugeteilt worden war. Damit war ein alter Zustand, wie er vor der Fremdherrschaft bestanden hatte , nämlich , daß Friemersheim zum Kreise Mörs gehörte , wieder hergestellt.

1934 Aufteilung des Amtes Rheinhausen in die Stadt Rheinhausen und das Amt Rumeln

1935 Zusammenschluss von Rumeln und Kaldenhausen zu Rumeln-Kaldenhausen
1950 Namensänderung des Amtes Rumeln in Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen